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Vom Zeichen zum Raum

Über Gestaltung, Reduktion und die Entstehung einer visuellen Identität

August 2026

„Jede Form beginnt mit einer Frage. Nicht mit einer Skizze. Nicht mit einer Software. Und selten mit der Absicht, ein Logo zu entwerfen.“
jahdara

Es gibt Formen, die entstehen schnell. Sie folgen einer Idee, einem Trend oder einer gestalterischen Intuition. Sie erfüllen ihren Zweck und verschwinden oft ebenso schnell wieder.

Mich interessieren andere Formen.

Formen, die nicht auf Aufmerksamkeit zielen, sondern auf Beständigkeit. Formen, die nicht zuerst erklären, sondern Fragen offenhalten. Formen, die über Jahre hinweg wachsen dürfen, weil sie nicht aus einem Stil hervorgehen, sondern aus einer Haltung.

Die Entwicklung der visuellen Identität von jahdara begann deshalb nicht mit einem Entwurf, sondern mit einer grundlegenden Frage:

Wie lässt sich eine langfristige künstlerische Urheberidentität sichtbar machen, ohne sie auf die Ästhetik eines einzelnen Werkes zu reduzieren?

Diese Frage war größer als jedes Logo.

Sie stellte nicht die Gestaltung eines Zeichens in den Mittelpunkt, sondern die Suche nach einer Form, die unterschiedliche Arbeiten miteinander verbinden kann, ohne ihnen ihre Eigenständigkeit zu nehmen.

Denn jahdara ist keine einzelne Werkreihe. Es ist ein Atelier. Eine Urheberidentität.

Ein Ort, an dem Zeichnung, Architektur, Philosophie und Erzählung zusammenfinden. Graphic Novels, Essays, Illustrationen, Studien und zukünftige Arbeiten sollen nicht durch einen gemeinsamen Stil vereinheitlicht werden. Sie sollen durch eine gemeinsame Haltung miteinander verbunden sein.

Genau deshalb musste auch die visuelle Identität anders entstehen.

Nicht als Dekoration.

Nicht als Wiedererkennungsmerkmal.

Sondern als Ausdruck einer Denkweise.

Vom Buchstaben zum Raum

Am Anfang lag es nahe, beim Buchstaben J zu beginnen.

Wie viele Signets hätte auch dieses direkt aus einem Monogramm entstehen können. Doch bereits nach den ersten Studien zeigte sich, dass der Buchstabe zwar eine naheliegende, aber keine tragfähige Antwort war.

Ein Buchstabe trägt bereits Bedeutung.

Er gehört zur Sprache.

Er verweist auf einen Namen.

Mich interessierte jedoch nicht der Name.

Mich interessierte der Raum, der notwendig ist, damit ein Name überhaupt Bedeutung tragen kann.

So verlagerte sich der Schwerpunkt des Entwurfs.

Das J blieb Ausgangspunkt.

Aber es verlor zunehmend seine Rolle als typografisches Zeichen.

Es wurde zu einer Achse.

Zu einer Richtung.

Zu einer räumlichen Ordnung.

Schließlich war nicht mehr der Buchstabe entscheidend, sondern das Verhältnis der Flächen, aus denen er hervorging.

Reduktion als Methode

Ich begann zu verstehen, dass Gestaltung für mich selten durch das Hinzufügen neuer Elemente entsteht.

Fast immer beginnt sie mit Überfluss.

Zu viele Möglichkeiten.

Zu viele Linien.

Zu viele Formen.

Der eigentliche Entwurf beginnt erst dort, wo etwas verschwindet.

Nicht die Frage:

Was kann ich noch hinzufügen?

Sondern:

Was kann entfallen, ohne dass die Identität verloren geht?

Vielleicht beschreibt diese Frage meine Arbeitsweise besser als jede stilistische Einordnung.

Reduktion ist für mich keine ästhetische Vorliebe.

Sie ist eine Methode des Denkens.

Mit jeder entfernten Linie verändert sich die Bedeutung einer Form.

Mit jeder weggelassenen Rundung wird deutlicher, was wirklich trägt.

Gestaltung bedeutet deshalb nicht, möglichst viel zu zeigen.

Sie bedeutet, dem Wesentlichen genügend Raum zu geben.

Architektur als Denkweise

Während dieses Prozesses wurde mir bewusst, wie stark mein architektonischer Hintergrund mein Denken prägt.

Ich entwerfe selten über Konturen.

Ich denke in Körpern.

In Masse.

In Öffnungen.

In Material.

In Räumen.

Nicht die Linie erzeugt die Form.

Der Raum erzeugt sie.

Vielleicht deshalb wurde das Quadrat im Verlauf der Entwicklung immer wichtiger.

Es war nie bloß ein Rahmen.

Es war ein Ort.

Ein definierter Raum, innerhalb dessen Bedeutung entstehen kann.

Die weißen Bereiche wurden nicht als Linien gezeichnet.

Sie wurden aus einer gedachten Masse herausgenommen.

Wie Öffnungen in einer Wand.

Wie Licht, das erst sichtbar wird, weil Material entfernt wurde.

Dieser Gedanke veränderte alles.

Das Zeichen entstand nicht mehr durch Zeichnung.

Es entstand durch Freilegung.

Fortsetzung folgt …

jahdara