Nichtdualität
Englisch
Nonduality
Sanskrit
अद्वैत
IAST
Advaita
Aussprache
Ad-vai-ta
Wörtliche Bedeutung
Nicht-Zweiheit
Wortart
Substantiv, feminin
Allgemeine Bedeutung
Nichtdualität bezeichnet die philosophische Auffassung, dass die grundlegende Wirklichkeit keine letztendliche Trennung zwischen Subjekt und Objekt, Selbst und Welt oder Geist und Materie kennt. Die Vielfalt der Erscheinungen wird nicht geleugnet, jedoch als Ausdruck einer tieferen Einheit verstanden. Der Begriff findet sich in unterschiedlichen indischen Philosophietraditionen, insbesondere im Advaita Vedānta und im nichtdualen Kaschmirischen Śivaismus, wird dort jedoch unterschiedlich interpretiert.
Bedeutung im Kaschmirischen Śivaismus
Im nichtdualen Kaschmirischen Śivaismus beschreibt Nichtdualität nicht die Auflösung der Welt zugunsten eines abstrakten Absoluten. Vielmehr wird die gesamte erfahrbare Wirklichkeit als unmittelbarer Ausdruck des einen universellen Bewusstseins verstanden.
Dieses höchste Bewusstsein – Śiva – ist nicht von seiner schöpferischen Kraft (Śakti) getrennt. Beide bilden keine zwei unterschiedlichen Prinzipien, sondern zwei untrennbare Aspekte derselben Wirklichkeit. Die Welt gilt daher nicht als Illusion, sondern als lebendige Selbstoffenbarung des Bewusstseins.
Nichtdualität bedeutet folglich nicht, Unterschiede zu leugnen, sondern ihre gemeinsame Quelle zu erkennen. Die Vielheit bleibt bestehen, wird jedoch als Ausdruck einer zugrunde liegenden Einheit verstanden.
Die spirituelle Erkenntnis besteht deshalb nicht darin, eine andere Wirklichkeit zu erreichen, sondern die immer schon gegenwärtige Einheit hinter der scheinbaren Trennung wiederzuerkennen. Dieses Wiedererkennen bildet den Kern der Pratyabhijñā-Philosophie.
Bedeutung bei jahdara
Für jahdara beschreibt Nichtdualität keine religiöse Lehre, sondern eine grundlegende Haltung gegenüber Kunst, Wahrnehmung und Wirklichkeit.
Viele scheinbare Gegensätze verlieren ihren absoluten Charakter. Bild und Sprache, Denken und Gestalten, Architektur und Illustration, Sichtbares und Unsichtbares, Künstler und Betrachter werden nicht als voneinander getrennte Bereiche verstanden, sondern als unterschiedliche Ausdrucksformen desselben schöpferischen Zusammenhangs.
Diese Haltung prägt die gesamte Arbeitsweise von jahdara. Werke sollen Gegensätze nicht auflösen, sondern ihre tiefere Verbindung sichtbar machen. Bedeutung entsteht nicht auf einer Seite der Beziehung, sondern zwischen den Polen.
Auch die Urheberidentität folgt diesem Gedanken. Denken, Handeln und Gestalten bilden keine voneinander getrennten Tätigkeiten. Sie entwickeln sich allmählich zu einer gemeinsamen Sprache.
Für jahdara beschreibt Nichtdualität deshalb keinen Zustand jenseits der Welt, sondern eine andere Weise, die Welt zu sehen.
Verwendet in
Manifest · Essays · Graphic Novels · Journal · Website
Nichtdualität hebt Unterschiede nicht auf. Sie erinnert an ihren gemeinsamen Ursprung.